Warum ich trotz allem optimistisch in die Welt blicke
- Sonja Hartmann
- 19. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Immer wieder werde ich gefragt, warum ich trotz all der Herausforderungen unserer Zeit so hoffnungsvoll bleibe.
Die Antwort führt mich zurück in meine Kindheit.
Ein Lieblingszitat meines Papas war:
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Als Kind fand ich diesen Satz wunderschön – und gleichzeitig machte er mir Angst.
Warum sprach man überhaupt davon, dass die Welt untergehen könnte?
Ich verstand die Worte nicht. Für mich klangen sie traurig und gleichzeitig irgendwie hoffnungsvoll. Ich nahm sie damals hin, ohne ihren eigentlichen Sinn zu begreifen.
Heute, viele Jahre später, berühren sie mich auf eine ganz andere Weise.
Ich glaube, mein Papa wollte mir etwas viel Größeres mit auf den Weg geben.
Nicht die Angst vor dem Ende.
Sondern die Entscheidung für das Leben.
Ein Apfelbäumchen verändert die Welt nicht von heute auf morgen.
Doch eines Tages schenkt es Schatten.
Es trägt Früchte.
Es bietet Tieren ein Zuhause.
Es erinnert daran, dass jemand an morgen geglaubt hat.
Vielleicht pflanzt ein Mensch nur einen einzigen Baum.
Doch was geschieht, wenn Millionen Menschen jeden Tag ihr eigenes kleines Apfelbäumchen pflanzen würden?
Nicht unbedingt in der Erde.
Sondern in den Herzen der Menschen.
Ein freundliches Wort.
Ein ehrliches Lächeln.
Ein Moment des Zuhörens.
Ein tröstender Blick.
Ein achtsamer Umgang mit Mensch, Tier und Natur.
Diese Gesten wirken klein.
Fast unscheinbar.
Und doch glaube ich, dass genau sie unsere Welt verändern.
Dabei muss ich oft an den Film „Horton hört ein Hu!“ denken.
Dort lebt eine ganze Welt auf einem winzigen Staubkorn. Niemand außerhalb (abgesehen von Horton) kann sie hören.
Alle rufen gemeinsam, damit ihre Stimmen endlich auch von den anderen wahrgenommen werden. Doch erst als ein kleines Kind, das allein still beim Spielen sitzt und seine Stimme bisher nicht eingebracht hat, den Mut fasst, ebenfalls laut zu rufen, durchdringt genau dieser eine Klang die Grenze zur Außenwelt.
Nicht weil seine Stimme lauter war.
Sondern weil sie gefehlt hatte.
Dieser Gedanke berührt mich jedes Mal.
Vielleicht glauben wir oft, dass unsere kleine Geste nichts bewirken kann.
Dass unser Lächeln keinen Unterschied macht.
Dass unsere Freundlichkeit im großen Ganzen untergeht.
Doch vielleicht sind wir genau diese eine Stimme.
Genau dieser eine Flügelschlag des Schmetterlings, der eine Windböe auslösen kann.
Genau dieses eine Apfelbäumchen.
Genau dieser eine Flügelschlag eines Schmetterlings.
Er ist kaum wahrnehmbar.
Und dennoch kann aus einem winzigen Impuls etwas entstehen, das sich weit über den Moment hinaus ausbreitet.
Vielleicht verändert nicht eine einzige Handlung die Welt. Oder vielleicht auch doch.
Millionen kleiner Handlungen können eine neue Richtung entstehen lassen.
Ich glaube zutiefst daran, dass wir alle miteinander verbunden sind.
Dass jeder Gedanke, jedes Wort und jede Handlung Spuren hinterlassen.
Dass Liebe sich ausbreitet.
Dass Mitgefühl Kreise zieht.
Und dass Hoffnung ansteckend sein kann.
Deshalb richte ich meinen Blick nicht auf das, was uns trennt.
Ich möchte das nähren, was uns verbindet.
Nicht, weil ich glaube, dass alles leicht ist.
Sondern weil ich glaube, dass Veränderung genau dort beginnt.
Still.
Unscheinbar.
Von Mensch zu Mensch.
Von Herz zu Herz.
Und deshalb werde auch ich weiterhin meine kleinen Apfelbäumchen pflanzen.
In meinen Worten.
In meinem Wirken.
In meinen Begegnungen.
In jedem liebevollen Gedanken, den ich in diese Welt hinausschicke.
Denn vielleicht wartet irgendwo genau der Mensch auf dieses eine Lächeln.
Genau auf dieses eine Wort.
Genau auf diesen einen kleinen Impuls.
So wie im Film die eine fehlende Stimme den Unterschied machte.
Vielleicht bist auch du für jemanden genau diese Stimme.
Und vielleicht beginnt eine neue Welt nicht erst morgen.
Vielleicht beginnt sie genau heute – mit uns allen.

Danke ❤️ eine liebevolle Erinnerung für Alle ❤️